19.09.2008 08:00 

Das neue Bürogebäude neben dem Stall ist eine glasklare Sache

Wenn ich mir vorstelle, dass unsere Boxenwände und Hausmauern aus durchsichtigem Material wären, reagiere ich je nach Gefühlslage mit Entsetzen oder mit einem neidischen Blick auf den Neubau. Wenn ich vor mich her döse, fühle ich mich oft schon von wenigen Zweibeinern gestört und würde mich am liebsten verstecken. Habe ich aber open door, das heisst, wenn mich die Betreuer während der Boxenreinigung frei umhertollen lassen, dann wünschte ich, man könnte meine übermütigen Kapriolen beobachten. Genau das, nämlich beobachten, kann ich seit kurzem tun, wenn ich vor dem Stallgebäude angebunden bin. Jetzt sehe ich anstelle der Handwerker unzählige Menschen im Glashaus nebenan. Sie sitzen auf superbequemen Stühlen und gucken unverwandt auf eine viereckige Scheibe, auf der sich was bewegt. "Sie arbeiten am Computer", klärte mich Mama auf.

Einmal habe ich aber grosse Augen gemacht. Ein Zweibeiner hat seinen Stuhl beiseite geschoben und die Tischfläche nach oben verstellt. Die längste Zeit "arbeitete" er so, wie wir Vierbeiner es gewohnt sind, im Stehen nämlich. Wiederum wusste Mama Bescheid. "Stehpulte sollen gut für die Wirbelsäule der Zweibeiner sein." Sie sagte mir, es sei vergleichbar mit einem auf Mass angepassten Zuggeschirr. Pferde wie Zweibeiner würden nur mit bester Ausrüstung mustergültige Arbeit leisten. "Es gibt Dinge auf der Welt, die glaubt man fast nicht", beendete sie ihre Aufklärung. Diesen Satz habe ich doch auch schon gehört. Ja klar, Pferdebetreuer Peter hat ihn Viktor und Walter aus einer Zeitung vorgelesen. Es war am Tag nach dem Fussballmatch der Schweizer Profis gegen die Luxemburger Amateure.