08.02.2006 08:00 

Die Brauerei Feldschlösschen hat den in der «Enge» zwischen Rheinfelden und Magden gelegenen historischen Felsenkeller, wo einst Eis und Bier gelagert wurden, saniert. Er wurde am 130. Geburtstag der Brauerei, am 8. Februar, Medien und Mitarbeitenden vorgestellt. Der Keller spielt in der Geschichte von Feldschlösschen eine wichtige Rolle.

Der Gewölbekeller war von der Familie Roniger bereits gebaut worden, als sie noch die Hausbrauerei im Restaurant Sonne in Magden betrieb. Nachdem im Jahr 1867 die Magdener Gemeindeversammlung sowie die aargauischen Kantonsbehörden den Bau bewilligt hatten, wurde der Keller 1868, acht Jahre vor der Feldschösschen-Gründung, in den Kalkschiefer gesprengt und gemeisselt. 1872 wurde er erweitert. Der im Endausbau 16 Meter tiefe, bis 6 Meter breite und im Scheitel bis 3 Meter hohe Keller hat offenbar viel gekostet. In einer Aufzeichnung über das Leben von Feldschlösschen-Gründer Theophil Roniger wird er bezüglich Keller mit den Worten zitiert: «Das Geld, das ich damals erwarb, habe ich in der ‹Enge› vergraben.» Felsenkeller hatten wegen ihrer das ganze Jahr hindurch geringen Temperaturunterschiede für die Brauereien einst eine enorme Bedeutung. Bevor Ende des 19. Jahrhunderts die Eismaschine erfunden worden war, mussten die Brauereien im Winter jeweils Eis für die Bierproduktion und -lagerung aus speziell angelegten Eisweihern pflügen, um es anschliessend in kühlen Kellern lagern und für die wärmeren Jahreszeiten nützen zu können. Der Magdener Keller wurde bis mindestens 1882 gebraucht, dann hielt im Feldschlösschen die erste Eismaschine Einzug. In den letzten Jahrzehnten lag er brach, und wegen des Bergdruckes drohte er zuletzt einzustürzen. In den letzten Monaten wurde der Keller von der Brauerei Feldschlösschen im Verbund mit der Gemeinde Magden als Grundeigentümerin und der kantonalen Ortsbildpflege instand gestellt. «Der Keller kann ab sofort in spezielle Brauereiführungen einbezogen werden und bildet damit einen weiteren Schwerpunkt unserer Brauereikultur, auf die wir bei Feldschlösschen grossen Wert legen», erklärte Gaby Gerber, Projektleiterin der Sanierung. Im Rahmen des zweiten «Bierculinariums», das der Sportclub Feldschlösschen am Samstag, 5. August durchführen wird, wird die Bevölkerung die Gelegenheit haben, den Keller zu besichtigen.

 

 

 

Eis auf ärztliche Weisung verabfolgen
Sonnen»-Wirt Josef Roniger, der Vater von Feldschlösschen-Gründer Theophil Roniger, stellte 1867 bei der Gemeinde Magden das Begehren, den Felsenkeller in der «Enge» errichten zu dürfen. Das Protokoll der Gemeindeversammlung vom 24. November 1867 hält fest, dass Herr Roniger bzw. seine Nachfolger den Keller benützen dürften, dass aber der Waldboden in Besitz der Gemeinde bleibe. Im Protokoll der Gemeindeversammlung vom 4. Oktober 1868 steht, dass für die Benützung des Kellers eine jährliche «Conzessionsgebühr» von 5 Franken zu bezahlen sei. Als die Gemeindeversammlung im Dezember 1872 die Kellererweiterung bewilligte, machte sie die Auflage, dass «jedem Eisbedürftigen im Notfall gegen Entschädigung Eis verabfolgt werden muss». Und: «Auf ärztliche Weisung hin muss das Eis jederzeit verabfolgt werden gegen billige Entschädigung.»