06.09.2002 08:00 

In der Brauerei Rheinfelden Nord (Brauerei Cardinal am Rheinufer) sind am Freitag die letzten 230'000 Flaschen abgefüllt worden. Damit wurde das letzte Kapitel in der Geschichte des 118-jährigen ehemaligen «Salmenbräu» abgeschlossen. Das Brau- und Abfüllvolumen von jährlich gegen 400'000 Hektolitern ist ins Feldschlösschen bzw. in die Brasserie du Cardinal nach Freiburg verlagert worden. Das Areal soll künftig anderweitig genutzt werden.

Der 1884 erbaute «Salmenbräu» war 1971 durch Cardinal übernommen worden. Zwei Jahre später wurde die Produktion der damals 174-jährigen Marke Salmenbräu durch die Marke Cardinal abgelöst. 1991 gelangte Cardinal unter das Dach der Feldschlösschen-Gruppe. Der letzte Sud im «Salmen», wie der Betrieb im Volksmund nach wie vor heisst, erfolgte am 16. August 2002; bei der letzten Abfüllung am 6. September wurde das Exportprodukt «Moussy Peach» abgepackt. Moussy war in den letzten 17 Jahren das Hauptprodukt des Betriebs Nord. Die im Betrieb Nord im Jahr 2001 produzierten bzw. abgefüllten 397'000 Hektoliter (39,7 Mio. Liter) entsprechen gegen 10% der schweizerischen Bierproduktion. Davon wurden drei Viertel in Form des alkoholfreien Moussy exportiert. Ferner wurden für den Schweizer Markt die Lizenzprodukte Carlsberg und Tuborg sowie Löwenbräu Zürich alkoholfrei und Panaché Bilz alkoholfrei hergestellt. Bis zur Inbetriebnahme des Dosenfüllers im Feldschlösschen vor zwei Monaten wurden im «Salmen» auch sämtliche Dosenbiere der Feldschlösschen-Gruppe abgefüllt. Der Entscheid, die «Salmen»-Produktion in die Brauerei Feldschlösschen zu transferieren, wurde bereits vor zweieinhalb Jahren gefällt und bekannt gegeben. In diesem Zusammenhang wird im Feldschlösschen ein Investitionsprogramm von gegen 50 Mio. Franken umgesetzt. Eingehende Studien hatten zuvor ergeben, dass eine Zusammenführung der beiden Brauereien die wirtschaftlichere Lösung ist, als in den erneuerungsbedürftigen «Salmen» zu investieren. Die umfangreiche Planung und reibungslose Umsetzung der Verlagerung entsprachen einer enormen Arbeit. Von der Produktionsverlagerung profitiert auch die Brauerei Cardinal in Freiburg, die nun zusätzliche Volumen braut. Schwerpunkte des Investitionsprogramms von gegen 50 Mio. Franken im Feldschlösschen sind die bevorstehende Lagerhallen-Erweiterung, die Erneuerung der Flaschen- und Dosen-Abfülllinien, eine neue Kohlensäure-Rückgewinnungsanlage sowie die technische Erneuerung des Sudhauses. Der Mietvertrag der Feldschlösschen Getränke AG mit ihrer früheren Muttergesellschaft REG Real Estate Group (ehemals Feldschlösschen-Hürlimann Holding) für das «Salmen»-Areal läuft Ende dieses Jahres aus. Auf diesen Zeitpunkt wird auch der Getränkeshop geschlossen. Analog den ehemaligen Brauereiarealen in Zürich (Hürlimann), Bern-Wabern (Gurten) und Wädenswil (Cardinal) will die REG das Areal in Rheinfelden neu nutzen. Bier von Erde auf den Mond und zurück Insgesamt wurden im «Salmen» in den 118 Jahren über 14 Mio. Hektoliter Bier produziert bzw. abgefüllt. Diese Menge entspricht umgerechnet 4'200'000'000 (4,2 Mrd.) 3,3-dl-Flaschen. Würden diese stehend aneinander aufgereiht, so ergäbe sich eine Länge von mehr als 250'000 km, was zwei Dritteln der Strecke von der Erde zum Mond ausmacht. Würden die Flaschen aufeinander gestellt, so käme dies mehr als der Strecke von der Erde zum Mond und zurück gleich. Oder würde das Gesamtvolumen in Harassen mit 33-cl-Flaschen in Standard-Güterbahnwagen verladen, so ergäbe sich mit 122‘000 Wagen eine Zugslänge von 1770 km, was in etwa der Strecke von Rheinfelden bis Helsinki (Luftlinie) entspricht.

 

 

 

Die Geschichte des «Salmenbräu»

  • 1799: Franz Joseph Dietschy übernimmt in Rheinfelden das «Wirtshaus zum Salmen», wo er mit der Bierproduktion beginnt.
  • 1884: Inbetriebnahme des «Salmenbräu Rheinfelden» am heutigen Brauereistandort durch Carl Habich-Dietschy; Jahresausstoss: 30'000 hl. (Acht Jahre zuvor, 1876, war die Brauerei Feldschlösschen gegründet worden.)
  • 1900: Umwandlung der Unternehmung in die Aktiengesellschaft «Salmenbräu Rheinfelden AG».
  • 1915: Errichtung heutiges Sudhaus.
  • 1971: Beitritt zur Sibra-Holding (Cardinal-Gruppe); Jahresausstoss:140‘000 hl.
  • 1973: Ablösung der Marke Salmenbräu nach 174-jährigem Bestehen durch die Marke Cardinal.
  • 1976: Integration der Anker-Brauerei, Frenkendorf.
  • 1978: Umbenennung in «Cardinal-Brauerei Rheinfelden AG».
  • 1986: Inbetriebnahme neue Abfüll- und Lagerhalle; Transfer Moussy-Produktion von Freiburg nach Rheinfelden; Verlagerung der Cardinal-Produktion von Rheinfelden nach Freiburg.
  • 1991: Feldschlösschen übernimmt Sibra-Holding (Cardinal-Gruppe) und damit auch die Cardinal-Brauerei Rheinfelden AG.
  • 1997: Beginn Tuborg-Produktion.
  • 2001: Beginn Carlsberg-Produktion. Jahresausstoss Betrieb Nord: 397‘000 hl.
  • 2002: Verlagerung der Produktion in die Brauerei Feldschlösschen und Stillegung der Cardinal-Brauerei in Rheinfelden nach 118 Betriebsjahren.