03.07.2008 08:00 

Wenn Brauereibesucher in unseren Stall kommen, machen sie zuerst grosse Augen. Die wenigsten haben schon so viele kraftvolle Pferde vereint gesehen.

Einige Zweibeiner sind zwar ein bisschen frech und wollen meine Kollegen überall berühren. Bei Carlo ist dann meistens Schluss. Der fackelt nämlich nicht lang und droht mit angelegten Ohren zu pfetzen. Mich freut dann, wie ein solcher Vorwitz verschreckt zurückweicht. Seit ich begriffen habe, dass meine Zähne eine Art Waffe sind, probiere ich natürlich auch, Carlos Spiel zu imitieren. Pferdebetreuer Walter kann ein Lied davon singen. Ihn habe ich ein wenig zu fest erwischt.

Ich wollte eigentlich nur am Hosenstoss knappern. Zugegeben, ich habe schon etwas heftig und vor allem zu weit innen zugebissen. Walter wollte vor unserer Boxe den Boden säubern, öffnete die Türe, kehrte mir den Rücken zu – und schon war's um mich geschehen. Ich konnte einfach nicht widerstehen und schnappte zu. Wie gesagt etwas ungestüm. Ein Schrei von ihm hat mich dann gestoppt. Er kehrte sich blitzschnell (so schnell wie ein Zweibeiner halt kann) und drohte mir mit dem Besenstiel. Ich war aber auch fix und rettete mich mit einem Sprung hinter Mama.

Es gibt eine Neuigkeit im Stall. Eigentlich wollte ich mit dieser Meldung beginnen und schweifte etwas ab. Die Besucher bestaunen wie erwähnt zuerst uns Pferde, dann aber geht das Lesen der Namensschilder los. Immer wieder hörte ich Fragen, wie das Fohlen eigentlich heisse. Offensichtlich gibt es noch Zweibeiner, die mich nicht kennen. Jetzt aber habe auch ich, Schlossprinz Aramis, ein eigenes Namensschild, das in meiner Boxe aufgehängt ist. Mama sagte mit Stolz, dass ich nun hundertprozentig zur Feldschlösschen-Pferdefamilie gehöre.