Eine Fahrt ins Glück begann mit Schrecken. Ein Bericht aus dem Exil. Zuerst dachte ich mir nichts dabei, als unsere Pferdepfleger meine Kollegen und mich besonders intensiv mit Striegel und Bürste pflegten. Einer nach dem andern wurden zum Stall raus geführt.
Allmählich regte sich mein Instinkt. "Irgendwas ist heute anders als sonst", gab ich Mama zu verstehen. "Gut beobachtet, Kleiner. Wir werden für einen mehrtägigen Einsatz auf die Tour geschickt." Und schon kamen unsere Zweibeinerfreunde Viktor und Peter in unsere Box und holten Mama und mich raus. "Du kommst diesmal mit. Erst müssen wir aber Pouliche einladen." Peter griff nach meinem Halfterseil und ich trottete gottergeben hinterher.
Noch dachte ich an nichts Böses. Ich sah wie Mama in den Lastwagen einstieg, den ich schon viele Male vor unserem Stall gesehen hatte. Mit sicherem Tritt ging sie die Rampe hoch bis ich sie kaum mehr sah. Peter forderte mich ruhig auf, ihm zu folgen. Erst jetzt bemerkte ich, dass hinter mir auch noch Walter stand. Erst ging ich etwas zögerlich die Rampe hinauf, fasste aber allen Mut der Welt und stieg in den Laster ein. Mama war ja da, dachte ich. Den grössten Schrecken meines Lebens durchfuhr mich, als der Boden unter mir heftig zu vibrieren begann. Der Laster bewegte sich erst rückwärts und dann unaufhörlich vorwärts. Ich konnte kaum mehr stehen.
Der Motorenlärm wurde stark und stärker. Allmählich stellte sich ein Gleichgewichtsgefühl ein und ich wurde etwas ruhiger. Doch mir kam die Fahrt unendlich vor und ich begann zu schwitzen. Plötzlich stand das Gefährt still, der Motor verstummte, die Türe wurde aufgetan. Als mich Peter die Rampe runterführte, sagte er: "Ich bin stolz auf dich, Kleiner, und du wirst die Attraktion an der OLMA sein." So, jetzt wisst ihr, wo ich bis 19. Oktober bin. Meine grossen Kollegen könnt ihr täglich in den Arena-Vorführungen auf dem Freigelände bestaunen. Und mich natürlich auch.